Achtsamkeit im Tun und Denken

Achtsamkeit
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Liebe Leserinnen und Leser,
ganz herzlich grüße ich Sie mit der Losung für den Monat Oktober aus dem Hebräerbrief, Kapitel 10, Vers 24: „Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“ Jede Gemeinschaft und jede Gesellschaft braucht Regeln, nach denen sie das Zusammenleben gestaltet. Das beginnt im Kleinen, etwa in der Familie oder in der Schule. Und das gilt natürlich auch im Großen, etwa in einem Staat.

Bei uns in den westlichen Ländern haben sich diese Regeln im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. Das hat lange gedauert und war nicht von heute auf morgen da. Und wenn natürlich auch bei uns nie alles perfekt sein kann, so können doch Menschen
hier in einer großen Freiheit und Sicherheit leben. Und das gilt es unbedingt zu bewahren und zu behalten.

Die kleinen christlichen Gemeinden zur Zeit der Entstehung des Neuen Testamentes waren eigentlich völlig unbedeutend.
Und doch erregten sie Aufsehen in ihrer jeweiligen Umgebung. Es war die Art, wie sie miteinander umgingen, es waren die Regeln, die sie ihrem Zusammenleben gaben. Die waren eigentlich ganz einfach zu verstehen, wie hier das Wort aus dem Hebräerbrief: „Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“

Da wird Achtsamkeit zu einer Haltung, mit der ich respektvoll und wertschätzend dem anderen begegne, ihn wahrnehme
mit seinen Sorgen, Ängsten und Fragen. Diese Achtsamkeit geht auf Jesus selbst zurück und seine Goldene Regel des
Zusammenlebens: „Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!“ (Lukasevangelium 6,31)

In den zurückliegenden Monaten habe ich viel Anteilnahme und Hilfsbereitschaft von Menschen gesehen. Meistens
geschah das nicht im Licht der Öffentlichkeit. Da standen mehr die völlig gegensätzlichen Meinungen und die scheinbare Unversöhnlichkeit, mit der sie vorgetragen wurden und werden. Da hätte ich mir oft mehr von der Achtsamkeit gewünscht, die die Sorgen, Ängste und Zweifel der jeweils anderen wahrnimmt. Unversöhnlichkeit bringt nichts voran. Das lehrt der Blick in die Geschichte, das lehrt der Blick in andere Regionen dieser Welt. Versöhnung kann geschehen, wo Menschen sich zumindest gehört fühlen. Wie in den ersten Christengemeinden nehmen auch wir in unseren Gottesdiensten diese Welt ins Gebet.

Unsere Gemeinden, unsere Orte, unser Land und auch die ganze Erde. Wir bitten Gott im Namen unseres Herrn Jesus um ein
versöhntes Miteinander und darum, dass wir aufeinander achthaben und uns anspornen zu guten Werken.

Ihr Gemeindepfarrer

Kurt Hyn

PS: Unter /wir/aktuelles-gemeindebrief können Sie unseren aktuellen Gemeindebrief lesen

GEBET (NACH AUGUSTINUS)
Jesus Christus, ich bin ein Mensch und nichts
Menschliches ist mir fremd.
Ich bin noch nicht an meinem Ziel
angekommen, lass mich nicht vorzeitig
aufgeben.
Wenn ich zweifle, lass mich nicht verzweifeln.
Ich suche dich, lass mich dich finden.
Wenn ich schweige, lass mich aus Liebe
schweigen. Wenn ich spreche, lass meine
Worte aus der Liebe kommen.
Wenn ich tadle, lass mich aus Liebe tadeln.
Lass mich in allem treu sein, dir und mir, Gott
und den Menschen, heute und alle Tage bis
in Ewigkeit. Amen.