Ostern und die Hoffnung aufs Leben

Osterbild
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Liebe Mitglieder unserer beiden Kirchengemeinden Hasloch und Schollbrunn,

Zum bevorstehenden Osterfest grüße ich Sie mit der Osterbotschaft: "Der Herr ist auferstanden er ist wahrhaftig auferstanden!“ In diesem Jahr werden wir in der Karwoche und auch an Ostern keine Gottesdienste miteinander feiern können.

Keine Vorstellung der Konfirmanden am Palmsonntag – die Konfirmation musste auf den 20. September verschoben werden. Kein Gottesdienst am Gründonnerstag, dem Tag der Einsetzung des heiligen Abendmahls. Und auch nicht am Karfreitag dem Todestag unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. In diesem Jahr hätten wir die Osternacht in Schollbrunn gefeiert und die Osterfestgottesdienste an den beiden Feiertagen. Statt dessen kann ich nur die Glocken läuten zu den gewohnten Gottesdienstzeiten, die Altarkerzen in der Kirche anzünden, das Vaterunser beten und auch dafür, dass die schlimme Zeit auch wieder vorübergeht, mit all den Einschränkungen, die sie uns bringt.

Mir tut es auch weh, dass wir uns bei all diesen Gelegenheiten nicht zum gemeinsamen Singen, Beten und dem Hören auf Gottes Wort treffen können. Aber auch die Kirche muss ihren Beitrag leisten, damit sich die Ansteckungszahlen auch wieder verringern. Viele erkennen gerade, wie verletzbar unsere Gesellschaft ist, mit all den Folgen, den Sorgen und Ängsten die das mit sich bringt. Dieser Tage habe ich folgendes gelesen und ich komme gerade recht viel zum Lesen: Die Schriftstellerin Karen Blixen erhielt einmal ein Motto in einer Blechdose von einem ihrer guten Freunde. Er sagte zu ihr: „Dieses Motto kannst du gebrauchen, wenn du am allerunglücklichsten bist“.

Eines Tages, als Karen Blixen sehr unglücklich war erinnerte sie sich an die Dose mit dem Motto und holte sie hervor: Auf dem Zettel stand folgender einfacher Satz: „Das hört auch wieder auf.“ Das ist eine einfache Weisheit und stimmt doch. Es kommen auch wieder gute Tage, wo wir wieder unbeschränkt zusammen kommen können. Wo auch das Leben in unseren Gemeinden wieder seinen normalen Gang gehen wird vom Kindergottesdienst bis zum Seniorenkreis.

Krisenzeiten sind aber auch Zeiten, wo man lernt manches auch wieder anders zu sehen. Wo man lernt, was eigentlich wichtig im Leben ist. Es entstehen zurzeit überall im Land ungeahnte Initiativen, wo Menschen sich einsetzen um anderen ihr Leben zu erleichtern. Nein, die Nächstenliebe, die Jesus neben die Liebe zu Gott stellt, die ist in dieser Gesellschaft noch nicht verloren gegangen, bei vielen wenigstens nicht. Auch in ihr lebt Jesus, dessen Auferstehung wir an Ostern feiern, wo die Frauen tieftraurig an das leere Grab kommen: 

Als der Sabbat vergangen war kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus und Salome wohlriechende Öle um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes Gewand an und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht: Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten“ (Markusevangelium 16,1 – 6).

Entsetzt euch nicht. Diese Botschaft an die trauernden Frauen gehört auch zum ersten Ostertag: Aber geht das so einfach? Sind da nicht die vielen Menschen, gerade auch Alte und Schwache, die der Krankheit erlegen sind und die, die um sie trauern? Sind da nicht viele in Ängsten und Sorgen um ihre Angehörigen, ihr Leben, ihre wirtschaftliche Zukunft? Das alles stimmt und soll bestimmt nicht herunter geredet werden. Tränen, Leid, Trauer, Ängste sind auch Bestandteil menschlichen Lebens. Und auch der Tod.

Vielleicht haben das die Generationen vor uns noch besser gewusst. „In Gottes Namen“, sagte meine Großmutter immer wenn sie zu meinen Eltern ins Auto stieg. Ich war ein kleiner Junge damals, aber daran kann ich mich noch erinnern. „So Gott will und wir leben“, dieses Wort sage ich heute, wenn es gilt ganz langfristige Termine festzulegen. Gott noch als Gegenüber zu haben, als Ansprechpartner für das Gebet, das nennt man Glaube. An Ostern erinnert uns dieser Glaube daran, dass der Tod nicht das letzte Wort ist, das zu uns gesprochen wird. Tod und Auferstehung von Jesus sind für uns Menschen zum Zeichen der Hoffnung geworden für das Leben, hier und jetzt und einmal auch bei Gott.

Ich wünsche Ihnen von Herzen ein frohes Osterfest –auch im Namen von Diakon Jonas Wittmann

Ihr Pfarrer Kurt Hyn