Von den Selbstverständlichkeiten

Liebe Gemeindemitglieder unserer beiden Kirchengemeinden, liebe Leserin, lieber Leser!

Eigentlich war er gar nicht abergläubisch. Weder schwarze Katzen noch Vierkleeblätter, weder Schornsteinfeger noch Spinnen am Morgen konnten ihn beeindrucken. Als aber mitten im Getriebe der Computermesse eine exotische Dame geradewegs auf ihn zueilte, als habe sie ihn längst erwartet und seine Hand ergriff und ihm verkündete, der 8. Juni werde sein besonderer Glückstag sein, entlohnte er sie reichlich. Und wartete von nun an jenem Tag entgegen, wie ein Kind dem Weihnachtsfest.

Am 8. Juni wachte er schon vor der Sonne auf, bereit für die Erfüllung aller seiner Wünsche. Jedoch der Tag ging hin wie tausend andere und nichts erfolgte, jedenfalls nichts Nennenswertes. Am Abend kam ein Freund und blieb bis Mitternacht. Kaum war der zwölfte Schlag der Uhr verklungen, als er vor Empörung sprühte: „Das Weib hat mich geprellt, das Glück hat mich betrogen!“ „Vermutlich bist du krank“, meinte der Freund. Er verneinte. „Aber du hast gestern einen Unfall gehabt?“ „Nein, Gott sei Dank.“ „Du bist nicht satt geworden, hattest Geldverluste, einen Todesfall in der Familie?“ „Du phantasierst! Nichts von alledem.“ „Und da behauptest du, dass dieser 8. Juni für dich kein Glückstag war?                                              

(Aus Willi Hofsümmer: Kurzgeschichten)

Diese Geschichte hat mich angesprochen. Auch deshalb, weil uns vieles so selbstverständlich geworden ist, dass wir darüber verlernt haben, dafür zu danken. Mit Advent und Weihnachten geht es uns oft genauso. Diese Zeit ist uns so selbstverständlich geworden mit all ihren Weihnachtsmärkten, den verkaufsoffenen Samstagen, den Weihnachtsmännern, die sich an den Hausfassaden emporwinden. Was war doch noch einmal der Ursprung für dieses Fest? Die Geburt des Kindes Jesus in der Krippe im Stall von Jerusalem. Und die Botschaft des Engels: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren.“ (Lukas 2,10.11). Und so ist Weihnachten für uns Menschen zum echten Glückstag geworden. Jesus hat uns Gott als seinen und unseren Vater zu sehen gelehrt. Vor Gott sollen wir uns nicht fürchten, sondern mit Lob und Dankbarkeit jeden Tag und jedes Jahr unseres Lebens aus seiner Hand nehmen. Und so wünsche ich Ihnen allen ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes und glückliches Neues Jahr! Ihr Pfarrer Kurt Hyn

Gebet: Lasst uns Gott danken für alle guten Gaben. Was wir zum Leben brauchen, - Gott schenkt es uns. Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf, etwas zum Anziehen, Freundinnen und Freunde Menschen, die zu uns halten, seine Nähe in guten und schweren Zeiten. Für all das sagen wir dir, unserem Gott, von Herzen Lob und Dank. Amen.